Tourenbericht Matterhorn

 

Nach dem ersten Highlight der Woche – die Weisshorn Überschreitung, sollte gleich das nächste Highlight folgen. Das Ziel war das Matterhorn. Ich glaube fast jeder Bergsteiger will einmal auf diesem markanten Berg stehen. So war es auch bei mir. Ich wollte unbedingt die Überschreitung machen. Von Italien über das Matterhorn zurück in die Schweiz. Ich wollte beide Grate kennenlernen. Alles was ich auf der Tour erlebt habe und welche Besonderheiten an diesem Berg gelten erfährst du heute.

 

Fakten zur Matterhorn Überschreitung

 

Anforderungen

 

  • Kombinierte Grattour und Klettertour
  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung, zusätzliche Schlingen und ausreichend Expressschlingen können notwendig sein
  • Im Firn bis 30°
  • Im Fels Stellen 3, häufig 2
  • Stützpunkt Aufstieg: Rifugio Jean Antonie Carrel (3829m). Aufstieg ca. 6 Stunden (1830Hm­)
  • Stützpunkt Abstieg: Hörnlihütte (3260m)
  • Schwierigkeit AD (Assez Difficile – ziemlich schwierig ZS)
  • Route:
    • Aufstieg Liongrat 1650Hm­ hoch (Gestartet von der Abruzzi Hütte)
    • Abstieg Hörnligrat 1220Hm runter

 

Auf dem Weg der Zweitbegeher

Der Start für die meisten Bergsteiger des Liongrates ist die Carrel Hütte auf 3829m. Es ist eine unbewirtschaftete Hütte. Man muss einen Platz reservieren, jedoch kommen meistens mehr Leute auf die Hütte als eigentlich Platz haben. Da wir davon ausgegangen sind, dass wir dort keine ruhige Nacht haben werden, haben wir uns entschlossen auf der Abruzzi Hütte (2802m) zu übernachten. Diese liegt auf 2802m. Das bedeutete für uns, dass es um 2 Uhr für uns los ging und wir an dem Tag einige Höhenmeter mehr zu machen hatte, als die meisten anderen.

 

Start: Mitten in der Nacht

Nach einem sehr kurzen Frühstück, also ich habe nur etwas getrunken, da ich um diese Uhrzeit nichts essen kann, ging es für uns los zum ersten Zwischenziel – die Carrell Hütte. Der Weg führt über Felsstufen, teilweise Schnee nach oben. Ich bin ehrlich. Im Schein der Taschenlampe habe ich nicht sonderlich viel links und rechts neben mir gesehen und kann hier auch nicht viel beschreiben. Kurz vor der Hütte gab es die ersten Platten, welche mit Fixseilen ausgestattet sind, sodass man diese angenehm hochkommen kann. Danach kann man die Hütte schon sehen. Als wir an der Hütte ankamen, war gerade große Aufbruchzeit. Viele Bergsteiger waren schon unterwegs. Das Licht der Taschenlampen bildete ein tolles Bild am Grat.

 

Der Liongrat

Ähnlich wie beim Weisshorn kann ich nicht jedes Detail des Grates beschreiben. Der Weg ist relativ logisch und die meisten Stellen sind mit Bohrhaken oder Fixseilen gesichert. Einen Eindruck vom Liongrat bekommst du auch bei diesem Video.

Ich möchte mehr darauf eingehen was alles an diesem Grat bei uns los war. Wir waren natürlich mitten in der Saison und viele Leute wollten aufs Matterhorn. Aus diesem Grund hat es sich schnell angefangen an den Kletterstellen zu stauen. Wir standen am Anfang und keiner wusste so genau, weshalb es nicht voran ging. Eine Situation die vor allem die Bergführer, welche bei uns waren, nicht gut fanden. So haben wir angefangen etwas andere Wege zu klettern, um alle zu überholen. Einige Seilschaften hatten starke Probleme mit dem richtigen Seilhandling und kamen deshalb nicht voran. Andere haben sich nicht getraut diese zu überholen und schon war der Stau perfekt. Nach dem Überholmanöver war der Grat für uns frei. Den letzten Teil auf den Gipfel hoch, mussten wir mit Steigeisen gehen und so standen wir als zweite Seilschaft an dem Tag zum Schweizer Nationalfeiertag oben auf dem italienischen Gipfel und kurze Zeit später auf dem etwas höher gelegenen Schweizer Gipfel.

 

Stress im Abstieg

Nach ein paar Bildern oben am Gipfel haben wir ein paar Meter unterhalb, eine Pause gemacht. Dort konnte ich zum ersten Mal auf den Hörnligrat sehen. Der Blick war faszinierend und schockierend zugleich. Eine Unmenge an Bergsteigern kam gerade hoch, während die ersten schon wieder im Abstieg waren. Und alle haben dieselben Fixpunkte genutzt. Die Bergsteiger im Abstieg zum Abseilen und die Bergsteiger im Aufstieg zum Sichern. Und so entstand an jedem Sicherungspunkt ein Chaos mit dem Seil. Immer war das falsche Seil unten. Während man selbst abseilt wurde, musste man immer aufpassen nichts loszutreten oder gar einen anderen Bergsteiger mit seinen Steigeisen zu treffen. Das Gedränge am Berg empfand ich als sehr stressig und überhaupt nicht schön. Zum Glück löste sich das im Laufe des Abstieges immer mehr auf. Dennoch muss ich so etwas nicht haben und so überlaufene Berge gehören nicht zu meiner Art des Bergsteigens. Der Hörnligrat ist aus meiner Sicht relativ undurchsichtig. Es war gut, dass mein Bergführer den Grat kannte. Ich hätte mich dort verlaufen und wer weiß wohin das geführt hätte. So waren wir um 12 Uhr an der Hörnlihütte und konnten gleich noch weiter ins Tal absteigen.

 

Fazit Matterhorn

Ich kann verstehen, dass jeder Bergsteiger aufs Matterhorn möchte. So ging es mir auch. Aber nach der Tour kann ich sagen, dass ich sie nie wieder machen würde und keinem empfehlen kann. Der Berg ist aus meiner Sicht total überlaufen und man kann den Gipfel und die Tour darum gar nicht genießen. Eine Tour aufs Weisshorn ist viel schöner und dort bist du meistens alleine. Für mich war die Tour eine spannende Erfahrung, welche ich so aber nicht nochmal machen muss. Schau, dass du nicht in der Hauptsaison dort bist.

Wenn du noch mehr zu der Tour wissen möchtest, kannst du mir gerne schreiben. Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche. Bis dann,

Jonathan

 

PS: Buchempfehlungen zum Matterhorn – Tourenplanung/Romane/Geschichte

Hochtouren Westalpen Band 1. 90 Fels- und Eistouren zwischen Tödi und Grand Combin (Rother Selection)ir?t=bergsteigenle 21&l=am2&o=3&a=3763330283 - Tourenbericht Matterhorn*

Der Wächter des Matterhorns: Mein Leben auf der Hörnlihütteir?t=bergsteigenle 21&l=am2&o=3&a=3426786818 - Tourenbericht Matterhorn*

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