Die Schattenseiten der Berge

Lange habe ich überlegt, wie ich diesen Blogartikel schreiben kann bzw. schreiben soll. Eigentlich sollte das der Tourenbericht von meiner Besteigung des Dent Blanche werden, meiner letzten Tour im Wallis dieses Jahr. Wie du aber bereits am Titel erkennen kannst handelt es sich nicht um einen einfachen Tourenbericht, wie bei den Artikeln zuvor. Über die Geschehnisse der Tour und die Schattenseiten der Berge möchte ich heute mit dir sprechen.

 

Fakten zum Dent Blanche

Anforderungen

  • Kombinierte Grattour und Klettertour
  • Ausrüstung: Gletscher- und Felsausrüstung
  • Im Firn bis 45°
  • Im Fels Stellen 3, häufig 2 und leichter
  • Stützpunkt Aufstieg: Cabane de la Dent Blanche (3507m). Aufstieg ca. 5 Stunden (1700Hm­)
  • Schwierigkeit AD (Assez Difficile – ziemlich schwierig ZS)
  • Route:
    • Wandfluelücke 200Hm hoch
    • Südgrat 650Hm hoch
    • Abstieg 850Hm runter

 

Aufstieg zur Hütte und Start in den Tag

 

Der Aufstieg zur Hütte ist wirklich lang und man braucht zwischen 4-5 Stunden. Der Weg führt anfangs über einen normalen Wanderweg und später über Felsen und Gletscher bis zur Hütte. Die Hütte ist recht überschaubar und gemütlich. Nach einem tollen Abendessen und einen super Nachtisch ging es früh ins Bett. Um 4 Uhr morgens klingelte der Wecker und die Tour stand an. Da es am Tag zuvor geschneit hatte, war der Felsen bedeckt und nicht frei. Aus diesem Grund ging es gleich mit Steigeisen los. Der erste Teil im Dunkeln ging schnell und gut voran. Über einen blockigen Felsgrat mit anschließendem Firnrücken kommt man zum Beginn des Südgrates. Der Südgrat fällt vom Gipfel über eine Länge von einem Kilometer ab.

 

Mein Unfall am Dent Blanche

Wir waren im Südgrat unterwegs. Teilweise gab es einige Kletterstellen, teilweise konnte man das Gelände relativ einfach gehen. Der Grat war von Schnee bedeckt und aus diesem Grund sehr rutschig. Deshalb hatte ich im flacheren Teil auch meinen Pickel als Stützhilfe draußen. Mit meinem Pickel habe ich mich in einer Passage auf einen höheren Block abgestützt und wollte hochtreten. Aus irgendeinem Grund habe ich den Halt verloren, der Pickel ist abgerutscht und ich habe mir meine Schulter ausgekugelt. Ich hatte sofort unbeschreiblich starke Schmerzen und mein linker Arm hing in einem komischen Winkeln an meinem Körper. Die ersten Sekunden habe ich gar nicht begriffen was passiert ist. Der Schmerz holt einen aber sofort in die Realität. Ich habe versucht, meinen Arm irgendwie zu stabilisieren, aber der Schmerz wurde immer stärker.

Nachdem ich versucht hatte, meine Schulter zu bewegen, ist sie nach einem Ruck und einem lauten Knacken wieder ins Gelenk gesprungen. Gott sei Dank! Der Schmerz ließ nach, aber ich konnte den Arm nicht belasten. Da standen wir auf ca. 4000m. Es war klar, dass es nicht weiter ging. Die Überlegung war, ob wir einen Heli rufen müssen oder ob wir es selbst schaffen. Wir haben uns dafür entschieden, dass wir es selbst schaffen, da keine schweren Kletterstellen kamen. Ich wurde so oft es ging am Felsen abgeseilt und so haben wir es zur Hütte zurück geschafft. Nachdem ich ein paar Schmerzmittel eingenommen hatte, sind wir dann abgestiegen. Das MRT hat gezeigt, dass die Schulter definitiv ausgekugelt war und ich Glück hatte, dass kein Knochen gesplittert ist, sodass eine OP nicht notwendig war. 6 Wochen Sportpause war das Ergebnis.

 

DSC00016 - Die Schattenseiten der Berge

Das Bild steht für die Schattenseite der Berge. ZU sehen ist nicht der Dent Blanche, da ich davon keine Bilder gemacht habe. Zu sehen ist die Eiger Nordwand als Symbol für die Tragik und den Erfolg im Bergsport.

Kein guter Tag am Dent Blanche – die Schattenseite der Berge

Nachdem wir bereits im Abstieg von der Hütte waren, nahmen wir auf einmal Helikopter wahr, welche auf dem Weg zum Grat waren. Wir konnten nur sehen, wie sie mehrere Male in den Grat geflogen sind, um Bergsteiger zu bergen. Zu Hause konnte ich nachlesen was passiert war. 3 Stunden nach meinem Unfall sind zwei Bergsteiger am Dent Blanche abgestürzt und ums Leben gekommen. Es waren zwei Deutsche, mit denen ich mich am Abend noch nett unterhalten habe. Es war wirklich ein komisches Gefühl, zu realisieren wie schnell es in den Bergen gehen kann. Die Berge, die mir so viel Spaß machen und so schön sind.

Bei den Touren nehmen wir meistens nur die schönen Seiten des Bergsteigens wahr. Es gibt jedoch auch Schattenseiten und dieses Jahr habe ich sie so nah erlebt wie noch nie. Ich will dich auf gar keinen Fall mit dem Bericht davon abhalten in die Berge zu gehen, jedoch möchte ich dich für das Thema sensibilisieren. Unfälle gehören leider auch dazu. Mein Apell kann nur sein, dass du dir der Gefahr bewusst bist, dich gut vorbereitest und im Zweifelsfall lieber einmal mehr umdrehst.

Hast du schon Erfahrungen mit den Schattenseiten der Berge gemacht?

Ich bin gespannt von deinen Erfahrungen zu hören. Bis dann,

Jonathan

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2 Antworten

  1. Ganz toller Bericht! Super geschrieben. Danke dafür.

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